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Messeschlager Gisela

Operette in drei Akten


Musik von Gerd Natschinski 
Text von Jo Schulz

 


Inszenierung


Uraufführung: 16. Oktober 1960
Metropol-Theater Berlin, DDR
 

  • Musikalische Leitung: Gerd Natschinski
  • Regie: Hans Pitra
  • Bühnenbild: Manfred Schröter 
  • Kostüme: Wilfried Werz
  • Chöre: Martin Kirchner
  • Choreographie: Nina Feist


Besetzung:

  • Gisela Claus, eine junge Modegestalterin: Margot Dörr
  • Helga, Näherin: Beatrix Kujau
  • Ingid, Zuschneiderin: Renate Böttger
  • Emma Pulmann, Werkstattleiterin: Jola Siegl
  • Robert Kuckuck, Leiter des VEB "Berliner Schick": Gerd Niemar
  • Marghueritta Kulicke, seine Sekretärin: Erika Grajena
  • Heinz Stubnick, Gütekontrolleur: Rudolf Hentschel
  • Fred Funke, Journalist: Leo de Beer
  • Paul Püschel: Bernd Wegner
  • Priemchen, Wächter im Ringmessehaus: Rudi Schiemann
  • Modistinnen: R. Frank, L. Grossmann,  E. Parchwitz, M. Scharle

 

 

Premierenchronik

DDR UA 16. Oktober 1960 Metropol-Theater, Berlin



Inhaltsangabe


"Im Modeatelier VEB Berliner Schick herrscht Herr Murks mit Namen Kuckuck, ehedem ein zuverlässiger Buchhalter, jetzt Betriebsleiter mit erheblichen Schwächen. Diese bestehen darin, daß der rückständige Individualist den Weg vom Ich zum Wir noch nicht gefunden hat, in kritikloser Selbstüberschätzung den Verrücktheiten extravaganter westlicher Modeerscheinungen erlegen ist und in seinem Betrieb massenhaft unbrauchbare Waren produzieren läßt. An seiner Seite eine überkandidelte Chefsekretärin, die ihren schlichten Namen Grete Kulicke hochtrabend in Marghueritta verwandelt hat, dieweil auch sie von westlichen Speenigkeiten angesteckt wurde und den Ehrgeiz entwickelt, eine mondäne ´Dame´ und Filmdiva zu werden, sonst aber ein kesses Berliner Pflänzchen mit goldigem Herzchen ist, das ihr schließlich ebenso wie ihrem blamierten Chef auf den richtige Weg verhilft. 

Ein Hoch dem braven Journalisten Fred Funke, der nicht nur in seiner Zeitung, sondern auch in der Produktion als Transportarbeiter und Volkskorrespondent alles zum Besten wendet. Dieser findige Bursche sorgt dafür, daß das allgemein gepriesene Modell der netten, bescheidenen Gisela, einer zur schöpferischen Modegestalterin qualifizierten Schneiderin, in Leipzig der Messeschlager wird und nicht die alberne ´Melone´ des Herrn Kuckuck, der wieder auf seinen Buchhalterposten nützlichere Dinge leisten kann. Und natürlich kriegt am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen: die Gisela ihren fixen Fred und die Kulicke ihren schüchternen Heinz."

(aus: Karl Schönewolf: Ein Treffer: "Messeschlager Gisela", Glänzende Uraufführung im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 284, 19. Oktober 1960)

 

Kritiken


"Kein Zweifel: Der im Metropol-Theater mit tollem Erfolg gestartete ´Messeschlager Gisela´ wird zum Operettenschlager werden. Da ist alles drin, was das operettenhungrige Publikum und sein Theater von einer zeitgemäßen Operette erwarten: eine ernste, heutige Sache mit Humor serviert, ein ´anziehendes´ Sujet, eine flotte Lustspielhandlung mit gesellschaftskritischem Witz, kabarettistische Würze und was fürs Gemüt, Ballett, Revue und Modenschau, eingängige Melodien, zündend instrumentiert. Ein echt berlinischer Operettenschlager! Jo Schulz, der die Zeit mit kritischem Humor zu bespiegeln versteht, schrieb den Text, Gerd Natschinski, der begabte Jünger der gar nicht so leicht zu packenden ´leichten Muse´, komponierte die Musik. Es ist ihre erste Operette, die gleich ein Treffer wurde und hoffentlich noch viele Nachfolger mit dem Gütezeichen ´Q´ haben wird. [...]

Die Inszenierung gehört zu den besten, die Intendant und Regisseur Hans Pitra bisher geboten hat. In gelungener Mischung von Revue und Operettentheater bringt sie mit unermüdlichen Einfällen den Inhalt des Stückes zu lebensvoller Wirkung."

Karl Schönewolf: Ein Treffer: "Messeschlager Gisela", Glänzende Uraufführung im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 284, 19. Oktober 1960.

 

"Er [der Zuschauer] wird gleichzeitig eine witzige Lektion über Erziehung zum Kollektiv, zum sozialistischen Denken und Handeln erhalten, die er lachend schluckt. Ein Thema, das in der Tat dankbarer Operettenstoff sein kann. Und somit gehört das neue Opus zur allmählich größer werdenden Gruppe heiterer musiktheatralischer Werke, die sich mit unserem Leben, mit unserer sozialistischen Gesellschaftsordnung beschäftigen.

Das neue Kind der heiteren Muse, so kräftig es ist, hat aber auch einige schwache Seiten. Sie liegen gleichermaßen in der Musik wie im Libretto. Letzterem fehlt die - auch für die Operette notwendige! - Konsequenz und Ausgewogenheit der Fabelführung. Mit viel Sinn für Effekt werden wirksame Szenen arrangiert. Aber sie konzentrieren sich vor allem auf die satirische Zeichnung der negativen Typen. Wahrscheinlich liegt das an der Begabungsrichtung des Librettisten. Dagegen fallen die positiven Figuren, Gisela Claus, Heinz Stubnick und das Kollektiv, etwas ab, besonders dann, wenn sie ernsthaft werden (und uns die Musik ihre echten Gefühle mit unechtem Lehárschen Sentiment glaubhaft machen will. [...]

Das ist keine nebensächliche Frage, sondern ein Kernproblem der sozialistischen Operettenkunst."

Hansjürgen Schaefer: Messeschlager Gisela, Uraufführung im Berliner Metropol-Theater. In: Neues Deutschland, Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Nr. 247, 20. Oktober 1960.

 

"Jo Schulz hat mit seinem Libretto humorvoll und witzig in das Produktionsleben unserer Tage hineingegriffen und eine kurzweilige Geschichte geschrieben, die mit frischen Dialogen und zweckdienlichen Versen, mit Anspielungen und Gags Zündstoff für die Lachmuskeln abgibt und ein zugleich vortreffliches Gerüst für musikalische Zutaten bildet. [...]

Von höchst erfreulichem Zuschnitt ist die Vertonung Gerd Natschinskis, der seine reichen Erfahrungen in der Unterhaltungs- und Tanzmusik seinem Debüt als Operettenkomponist dienstbar machen konnte, melodiöse, gut gebaute Lieder, Couplets, Duette und Ensembles schuf und vor allem prickelnd und effektvoll zu instrumentieren versteht. In der Metropol-Aufführung saß er als bester eigener Sachwalter selbst am Dirigentenpult."

Heinz Lüdicke: Eine neue Operette mit Witz und Charme, Uraufführung von Gerd Natschinkis "Messeschlager Gisela" im Metropol-Theater. In: Neue Zeit, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, Nr. 247, 20. Oktober 1960.

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • "Messeschlager Gisela". Operettenquerschnitt, Studioeinspielung mit der Originalbesetzung, Rundfunkorchester Leipzig 1961, Amiga 5 40 173. (Vinyl/EP)
  • "Messeschlager Gisela". Originalcast Neuköllner Oper, Berlin, Studioeinspielung, Neuköllner Oper 1998. (1xCD)

 

Literatur

  • Michael Stolle: Der Komponist Gerd Natschinski, Musical, Filmmusik und Schlager in der DDR. Hamburg: Tredition 2018.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Messeschlager Gisela". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 10. November 2020.