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Scholl – Die Knospe der Weißen Rose

Musical


Musik von Thomas Borchert
Arrangements von Thomas Borchert und Robert Paul
Buch und Liedtexte von Titus Hoffmann 

 

 

Inszenierung


Uraufführung: 14. April 2023 
Stadttheater, Fürth, Bundesrepublik Deutschland

  • Musikalische Leitung: Robert Paul
  • Regie: Titus Hoffmann
  • Choreografie: Andrea Danae Kingston
  • Bühne: Stephan Prattes
  • Kostüme: Conny Lüders
  • Video, Grafik: Sönke Feick

 

Besetzung: 

  • Traute: Judith Caspari
  • Hans: Alexander Auler
  • Sophie: Sandra Leitner
  • Shurik: Fin Holzwart
  • Inge: Karolin Konert
  • Freddy: Dennis Hupka
  • Ulla: Lina Gerlitz

 

 

 

Scholl 1

Szenenfoto aus: "Scholl - Die Knospe der Weißen Rose"

© Stadttheater Fürth / Foto: Thomas Langer

 

 

Premierenchronik

D UA 14. April 2023 Stadttheater, Fürth

 

 

 

Inhaltsangabe


"Tirol, 1941/42: Die Geschwister Hans, Sophie und Inge Scholl verbringen zusammen mit ihren Freund*innen Traute, Ulla und Freddy den Jahreswechsel in der einsam gelegenen Coburger Hütte in den Tiroler Bergen. Politisch und weltanschaulich sind diese jungen Erwachsenen sehr unterschiedlich – sie eint aber ein breites literarisches Interesse und das Bedürfnis nach einer Auszeit von Reichsarbeitsdienst und Fronteinsatz im nationalsozialistischen Kriegsdeutschland. Sie vertreiben sich die Zeit mit Skifahren und lesen gemeinsam (politisch verbotene) Werke der Weltliteratur. Inge hat – wie immer – alles im Griff, Sophie freut sich auf ihr bevorstehendes Studium, und Traute hofft auf eine Wiederbelebung ihrer Sommerromanze mit Hans. Im letzten Moment zu Hause geblieben ist Hans‘ Freund und Vertrauter Shurik. Was Hans nicht daran hindert, in seinen Gedanken und in Erinnerung in ständigem Zwiegespräch mit Shurik zu stehen. Denn die Notwendigkeit politisch und privat zu seinen Überzeugungen zu stehen, beschäftigt Hans sehr. Denn da gibt es eine versteckte Seite seiner Persönlichkeit, die so gar nicht recht zu dem Wehrmachtssoldaten und Frauenschwarm passen will, den die anderen so gut kennen…

Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten und ergründet die Ursprünge, die später zur Gründung der berühmten Widerstandsbewegung ´Die Weiße Rose´ führen sollten. Knapp 14 Monate nach jenem Skiausflug wurden Hans und Sophie Scholl beim Verteilen von Flugblättern in der Münchner Universität verhaftet und zum Tode verurteilt."

(aus: Homepage zur Uraufführung am Stadttheater Fürth)

 

 

Scholl 2

Alexander Auler (Hans) und Sandra Leitner (Sophie)

© Stadttheater Fürth / Foto: Thomas Langer

 

 

Kritiken

 

"Die Inszenierung von Titus Hoffmann verwebt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie Realität und Imagination gekonnt miteinander und lässt alles logisch ineinanderfließen. Diesem Konzept folgt auch die Bühneneinrichtung von Stephan Prattes. [...] Bei diesen Verwandlungsfahrten blitzt immer wieder kurz das Hakenkreuzsymbol durch und versinnbildlicht damit zunächst einigermaßen subtil, am Ende durch konkrete Positionierung und rote Neonbeleuchtung unübersehbar, den allgegenwärtigen Nationalsozialismus.

Ebenfalls in sich durchweg stimmig ist die zeitlose, genreübergreifende Musik von Thomas Borchert mit musikalischen Arrangements von Robert Paul, unter dessen musikalischer Leitung am Keyboard die fünfköpfige Band im Bühnenhintergrund Teil des hervorragenden Klangerlebnisses ist. [...]

Das gelunge Musical ´Scholl - Die Knospe der Weißen Rose´ macht jedenfalls alles richtig. Es bleibt zu hoffen, dass es erneut den Weg auf die deutsche(n) Bühne(n) finden wird, versteht es doch hervorragend, die Geschichte hörens- und sehenswert aufzubereiten und dabei einen gegenwärtigen Bezug herzustellen. Die Aufforderung, die einem mit geballter Stimmgewalt entgegenschlägt, ist kaum zu überhören: ´Gegen Krieg und Leid wehrt euch jetzt und leistet Widerstand!´"

Constanze Köhler: Scholl - Die Knospe der Weißen Rose, Ein neues Musical, das alles richtig macht. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 219, Juni/Juli 2023, Seite 4-5.

 

"Präsentiert wird die Geschichte von Traute, einer Kommilitonin und kurzzeitigen Partnerin von Hans. Sie leitet als Erzählerin – aus einer zeitlichen Perspektive rückblickend nach der Hinrichtung der Geschwister – durch die Handlung, die sich in der Skihütte abspielt. Traute zeigt durch einige Rückblenden zudem die Geschehnisse, die zu der Zusammenkunft der sechs Studenten führten und schiebt in Form von Vorblenden auch immer wieder ein, wie die gemeinsamen Erlebnisse dort schließlich in der bekannten Flugblattaktion und dem Tod der Protagonisten mündeten. Profane Beziehungsprobleme und Gedanken von Jugendlichen mischen sich mit existenziellem Streben nach Moral und Werten, den Fragen nach dem Sinn und dem Ziel ihrer Existenz und der Suche nach sich selbst. Dieser hochkomplexe, mehrschichtige Inhalt wird durch zahlreiche poetische Elemente sowie durch originale Schriftstücke der Protagonisten in inspirierte Lieder aus verschiedensten Stilrichtungen vertont und durch eine verschachtelte Handlung mit zahlreichen Rückblenden, inneren Monologen und Traumsequenzen veranschaulicht. So komplex ist Musical nur selten. […]

Die wenigen herausstechenden Requisiten wissen zudem zu begeistern: Bei dunklem Lichtsetting schlagen die Studenten verbotene Bücher auf, aus denen warmes Licht auf ihre Gesichter fällt – ein wunderbares Sinnbild für ihre geistige Erleuchtung und den erwachenden Freiheitsgeist. Besonders beeindruckend fällt die berühmte Flugblattaktion in der Universität von München aus: Ein großer Koffer auf der Mitte der Bühne wird geöffnet, aus dem zahllose Flugblätter hinauf in die Luft geschossen werden und über die Bühne regnen. Ein unvergessliches Bild! […]

Die Musik von Thomas Borchert, die eine fünfköpfige Band live hinter der Bühne virtuos vertont, unterstreicht die poetischen Annäherungen der Protagonisten an die für sie relevanten Lebensthemen. Sie spiegeln eine breite Palette an musikalischen Stilen wider – von Klassik und Oper über Hip Hop und Jazz bis hin zu typischen Musical-Balladen überwiegen in der Partitur vor allem rockige Töne. Komplexe und anspruchsvolle Strophenmelodien wechseln sich mit eingängigen Refrains ab. Der Musik gelingt es, die bleierne Schwere der Thematik abzufangen und den Zuschauer immer wieder daran zu erinnern, dass es sich bei der Handlung um einen Urlaub von Jugendlichen handelt, dem auch trotz aller Grübelei eine gewisse Leichtigkeit innewohnt.

Die siebenköpfige Besetzung ist so grandios, dass es schwerfällt sie ohne den Gebrauch zahlloser Superlative preisend herauszustellen. Eine solche geballte Salve an Talent, schauspielerischer Nuanciertheit und Stimmgewalt ist beinahe einzigartig – erst recht auf einer Stadttheaterbühne. Beim Casting wurde großes Geschick bewiesen. Handverlesen bringt jeder Darsteller und jede Darstellerin das maximal Mögliche auf die Bühne.

André Böke: Scholl - Die Knospe der Weißen Rose, Mach´ deine Ängste zunichte, greif´ ins Rad der Geschichte!. Online-Portal "musicalzentrale.de", ohne Datum.

 

"Das Libretto von Titus Hoffmann beruht auf historischen Quellen, die genannten Flugblätter, Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte. Die wissenschaftliche Beratung übernahm Prof. Robert M. Zoske, der neben Biographien der Schollgeschwister das Buch ´Die Weiße Rose: Geschichte, Menschen, Vermächtnis´ verfasst hat. Entwickelt wurde das Stück in Zusammenarbeit mit Marianne Larsen und Studenten der Münchner Akademie August Everding. Thomas Borchert und Titus Hoffmann haben erstmals bei den Hamburger 24-Stunden-Musicals zusammengearbeitet. Seitdem wollten sie gemeinsam ein abendfüllendes Stück schreiben. Hoffmann stieß auf das Thema ´Die Weiße Rose´ und war überrascht von der reichen Bildsprache der Texte. Borchert wurde durch sie zu einer vielfältigen Musik inspiriert, die von dem Komponisten selbst in Zusammenarbeit mit Robert Paul spannungs- und temporeich arrangiert ist. [...] Die fünfköpfige Band unter Leitung von Robert Paul setzt im Hintergrund diese unterschiedlichen musikalischen Welten - auch dank der gelungenen Arrangements von Borchert und Paul - hervorragend um, sodass sich fließende Übergänge ergeben. [...]

Auf der schrägen Bühne singt, spielt und tanzt die grandiose Cast zu situationsnahen, lebendigen Choreographien von Andrea Danae Kingston mit einer Leidenschaft, dass es eine Freude ist. Hier ist die Crème de la Crème des Musical(nachwuchs´) versammelt! [...]

Zeitzeugin Traute Lafrenz-Page ist am 6. März 2023 in South Carolina, USA, verstorben und hat die Uraufführung des Musicals über die Gedankenwelt der Mitglieder der ´Weißen Rose´ leider nicht mehr erlebt. Sie, der 2019 für ihre Rolle im Widerstand das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, hätte wie das begeisterte Premierenpublikum mit Sicherheit ihre Freude daran gehabt.

´Scholl - Die Knospe der Weißen Rose´ ist eine intensive, sprachgewaltige Komposition voller Menschlichkeit und im wahrsten Sinne des Wortes bildend."

Barbara Kern: Intensive, sprachgewaltige Komposition voller Menschlichkeit, "Scholl - Die Knospe der Weißen Rose" uraufgeführt am Stadttheater Fürth. In: blickpunkt musical, Aussgabe 123 (03/2023), Seite 6-8.

 

 

Scholl 3

Dennis Hupka (Freddy), Sandra Leitner (Sophie), Alexander Auler (Hans), Karolin Konert (Inge), Lina Gerlitz (Ulla) und Judith Caspari (Traute)

© Stadttheater Fürth / Foto: Thomas Langer



Medien / Publikationen

 

Literatur

  • Thomas Alber: Aufrecht bis zum Schafott, Willi Graf und "Die Weiße Rose". Kisslegg-Immenried : FE-Medienverlag 2023.
  • Miriam Gebhardt: Die Weiße Rose, Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstabdskämpfer wurden. München: Deutsche Verlags-Anstalt 2017. 
  • Robert M. Zoske: Die Weisse Rose: Geschichte, Menschen, Vermächtnis. München: Beck 2023.

 

 

Kommentar

 

Raphael-Aaron Moss wurde von der Deutschen Musical Akademie für den DMA-Award 2023 in der Kategorie "Bestes Lichtdesign" ausgezeichnet.

"Scholl - Die Knospe der Weißen Rose" wurde von der Deutschen Musical Akademie für den DMA-Award 2023 in der Kategorie "Bestes Musical" nominiert.

Thomas Borchert wurde von der Deutschen Musical Akademie für den DMA-Award 2023 in der Kategorie "Beste Komposition" nominiert, Titus Hoffmann in den Kategorien "Bestes Buch" und "Beste Regie", Stephan Prattes in der Kategorie "Bestes Bühnenbild" und Karolin Konert in der Kategorie "Beste Darstellerin in einer Nebenrolle".

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Scholl - Die Knospe der weißen Rose". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 12. Oktober 2023.