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Don Camillo & Peppone

Musical


Musik von Dario Farina
Text von Michael Kunze

 

 

Inszenierung


Österreichische Erstaufführung: 27. Januar 2017 
Ronacher, Wien, Österreich

  • Musikalische Leitung und Orchesterierung: Koen Schoots
  • Regie: Andreas Gergen
  • Choreografie: Dennis Callahan
  • Kostüme: Yan Tax
  • Bühnenbild: Peter J. Davison
  • Puppendesign: Stefan Fischer
  • Licht-Design: Michael Grundner
  • Ton-Design: Thomas Strebel

 

Besetzung:  

  • Die alte Gina: Maya Hakvoort
  • Don Camillo: Andreas Lichtenberger
  • Peppone: Frank Winkels
  • Gina: Jaqueline Bergrós Reinhold
  • Mariolino: Kurosch Abbasi
  • Filotti: Reinhard Brussmann
  • Nonno: Ernst Dieter Suttheimer
  • Brusco: Thorsten Tinney
  • Laura Castelli: Femke Soetenga
  • Maria: Patricia Hodell
  • Cecilia: Marja Hennicke
  • Dottore: Dean Welterlen
  • Stimme des Gewissens / Jesus: Marlon Wehmeier
  • Oberschulrat / Ensemble: Florian Fetterle
  • Polini Artemio / Ensemble / Cover Mariolino: Michael Souschek
  • Ensemble / Cover Peppone: André Bauer
  • Ensemble / Cover Gina: Franziska Kemna
  • Ensemble / Cover Laura Castelli / Dance Captain Ass.: Gabriela Ryffel
  • Ensemble / Cover Mariolino: Marco Toth
  • Swing / Cover Gina: Anna Carina Buchegger
  • Swing / Cover Laura Castelli: Julia-Elena Heinrich
  • Swing / Cover die alte Gina / Dance Captain: Barbara Tartaglia
  • Walk in Cover Don Camillo: Fernand Delosch
  • Walk in Cover Filotti / Peppone: Kai Petersen
  • Walk in Cover Filotti / Brusco: Martin Berger
  • Walk in Cover Nonno: Horst Eder
  • Ensemble: Colleen Besett, Stéphanie Siegner, Matthias Trattner
  • Swing: Arthur Büscher, Timo Verse

 

 

Premierenchronik

CH UA 30. April 2016 Theater, St. Gallen
A ÖEA 27. Januar 2017 Ronacher, Wien
D DEA 21. Juni 2019 Freilichtspiele, Tecklenburg

 

 

Inhaltsangabe


"Don Camillo, der Pfarrer von Boscaccio, ist entsetzt. Vorwurfsvoll blickt er zum Kruzifix empor. ´Wie konntest du das zulassen?´ Jesus antwortet, so sei nun mal die Demokratie, schließlich hätten die Armen Gründe genug, einen kommunistischen Bürgermeister zu wählen.

So beginnt unser heiteres Musical über den Pfarrer Don Camillo und seinen Gegenspieler Peppone, den neuen Bürgermeister von Boscaccio. Es ist das Jahr 1947, und der Ort ist ein Dorf in der norditalienischen Poebene. In dem scheinbar verschlafenen Nest wird ein Streit ausgetragen zwischen den tradierten Werten und den Idealen einer sozialen Revolution. Nicht einmal Jesus kann den aufgebrachten Pfarrer besänftigen. Im zurückliegenden Krieg hat er, anders als andere Kleriker, als Partisan gegen die Faschisten gekämpft. Jetzt wird er Peppone und seine Genossen bekämpfen. Notfalls mit dem Gewehr, das er in der Sakristei versteckt hat.

Der neue Bürgermeister ist für Don Camillo kein Unbekannter. Im Widerstand gegen die überwundene Diktatur stand er sogar an seiner Seite. Doch Peppones politische Richtung lehnt er entschieden ab. Ähnlich entschieden ist die Haltung seines Gegners. Peppone hält sich für den Repräsentanten einer neuen, besseren Zeit. Er kämpft für eine bessere Welt, auch wenn die Schlagworte der kommunistischen Partei sich im Wortschatz dieses einfachen Mannes seltsam ausnehmen. Die Kirche betrachtet er als finstere Macht, die den Fortschritt aufhält.

So treten sie gegeneinander an: listenreich und wortgewandt der eine, sturköpfig und unnachgiebig der andere. Auf der Seite Don Camillos stehen die reichen Gutsbesitzer und konservativen Kirchgänger, hinter Peppone die armen Lohnarbeiter und die fortschrittliche Intelligenz. Die einen verachten die anderen, und nicht selten wird aus Verachtung blanker Hass.

Solange es nur um Worte, Ideen und Ansprüche geht, sorgt der Streit nur für Unfrieden im Ort. Doch eine verheerende Überschwemmung macht deutlich, dass man im Notfall aufeinander angewiesen ist. Und als bald darauf ein Streik den gesamten Viehbestand zu vernichten droht, erkennen Don Camillo und Peppone, dass die bedingungslose Konfrontation das Dorf ins Elend stürzen wird.

Zum wirklichen Umdenken führt aber erst ein junges Liebespaar. Gina, die Tochter des Grundbesitzers Filotti, liebt Mariolino, den Sohn des armen Brusco. Es ist die klassische Romeo-und-Julia-Geschichte: Zwei verfeindete Familien versuchen mit allen Mitteln die Verbindung ihrer Kinder zu verhindern. Man weiß, wie das bei Shakespeare endet. Auch in diesem Fall sehen die Liebenden keinen anderen Ausweg, als den gemeinsamen Tod. Zum Glück erfahren Don Camillo und Peppone rechtzeitig, dass die beiden ins Wasser gehen wollen. Sie alarmieren die Bewohner des Orts, und gemeinsam spürt die Dorfgemeinschaft im allerletzten Moment das verzweifelte Paar auf. Der Schock führt zur Einsicht. Weder Don Camillo noch Peppone wird Boscaccio je ganz gehören. Statt einander zu bekämpfen, wird man sich wohl verständigen und einander ertragen müssen.

Die Hochzeit von Gina und Mariolino beendet nicht allen Streit im Dorf. Aber sie wird ein Fest der Toleranz, das die Bewohner gemeinsam feiern."

(aus: Website des Ronacher, abgerufen, 24. März 2022)

 

 

Kritiken

 
"Als alte Gina ist Maya Hakvoort der Star der Produktion. Wie sich die 50-Jährige völlig uneitel in eine vom Leben gezeichnete Greisin mit gebeugtem Gang verwandelt, ist grandios, berührend sind ihre umwerfend gespielten Bemühungen, nach dem Fußbad im Fluss die Schuhe wieder vom Boden aufzuheben. Dagegen kommen die beiden Titelhelden nur schwerlich an.

[...] Yan Tax entwarf passende Kostüme, Peter J. Davison ein äußerst cleveres Einheitsbühnenbild, das fließende Übergänge ermöglicht: Vom Schnürboden hereinschwebende Kulissen und von den Seiten hereingeschobene Requisiten verwandeln die Piazza in Sekundenschnelle in eine Kirche, ein Klassenzimmer oder das Büro des Bürgermeisters, lassen den Glockenturm erscheinen, auf dem Don Camillo mit Peppone verhandelt, oder das Krankenzimmer des greisen Nonno.

[...] Dario Farina hat als Komponist von Italo-Hits wie Al Bano & Romina Powers ´Felicità´ zweifelsohne große Erfolge vorzuweisen, hier sind ihm auch ein paar nette Melodien eingefallen, bei diesem nahezu durchkomponierten Musical plätschert aber trotz Stilvielfalt und vorantreibender Rhythmen viel zu viel Musik zweieinhalb Stunden lang einfach so dahin - dagegen konnte letzlich auch die Orchestrierung des musikalischen Leiters Koen Schoots nichts ausrichten."

Klaus-Dieter Kräft: Don Camillo & Peppone, Die legendären Charaktere als Musicalhelden im Ronacher. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 183, Februar/März 2017, Seite 4-5.

 

"Komponist Dario Farina schrieb Hits für den Tenor Andrea Bocelli oder das Schmuse-Pop-Duo Al Bano & Romina Power (´Felicità´). Nichts gegen eine schöne Schnulze, schon gar nicht im Musical. Doch Farina ist kein Ennio Morricone oder Nino Rota. Die Texte hat erneut der Serienfabrikant für dieses Genre verfasst, Michael Kunze: ´Hört das Gequengel der drängenden Engel bald auf?´ Da hilft nur noch Beten! Gibt's keine jüngeren Schreiber, die sich nicht am alten Schlager oder an Möchte-Gern-Poesie orientieren, sondern zum Beispiel an Pop-Lyrics?

Regisseur Andreas Gergen (schon wieder) und Dirigent Koen Schoots sorgen für den perfekten Ablauf der museal-altmodischen, aber auch manchmal, vor allem im zweiten Teil, charmanten Episoden aus dem Dorf. Vor allem die ehemalige ´Elisabeth´, Maya Hakvoort, als alte Frau, Gina, und der von der Volksoper (´Kiss me Kate´) bekannte Andreas Lichtenberger als Don Camillo sind wunderbar. Jacqueline Bergrós Reinhold und Kurosch Abbasi erfreuen als junge Liebende mit viel Romantik – und Streit.

Dennoch: Wenn immer dieselben Leute Musicals gestalten, kann nichts Neues herauskommen. Ums Geld müssen sich die Wiener Musicalbühnen ja zum Glück keine Sorgen machen, die Stadt bzw. der Steuerzahler sind großzügig und und sichern Arbeitsplätze im Kulturbereich. Doch ob das nicht auf Dauer etwas wenig ist?"

Barbara Petsch: Ronacher: Stillstand im Musical-Museum."Don Camillo & Peppone" erfreut durch perfekte Einstudierung und weckt Nostalgie. Doch bietet das Wiener Musical zu wenig Abwechslung, szenisch wie musikalisch. In: Die Presse, 30. Januar 2017.

 

"In dem soliden Werk erinnert sich Gina auch an ihre Jugend (nett Jaqueline Bergros Reinhold), als sie über alle Politgräben hinwegflog und sich just in den Kommunisten-Romeo Mariolino (Kurosch Abbasi) verguckte. In der passabel dahinfließenden Inszenierung von Andreas Gergen ist Gina also verdoppelt. Und gut funktionieren die Wechsel der Zeitebenen, flotte Szenenwechsel helfen da mit einem Bühnenbild von Peter J. Davison.

Zentral ist natürlich Don Camillo, also Andreas Lichtenberger (vokal intensiv): Er ist die faustballende Verkörperung eines gerne austeilenden und dabei doch gütigen Gottesmannes. Sein Gegenüber Peppone wirkt bei Frank Winkels etwas zu aufgedreht, mit der Zeit kam aber Gelassenheit, auch der heisere Frosch im Hals verflüchtigte sich. Wobei: Der Bürgermeister hat im Vergleich zum Kirchenmann die banalere Musik.

Es ist die Schwäche des Ganzen: Die Partitur ist im Instrumentalbereich punktuell reizvoll schummrig. Überwiegend jedoch erhebt der symphonische Rock sein konventionelles Haupt und umgarnt blasse Schlager. Dem Versöhnungsstück hat Komponist Dario Farina keine über solides Routinemaß herausragende Songs geschenkt. So fallen angebahnte emotionale Höhepunkte der Figuren (Texte, Buch: Michael Kunze) gerne musikalisch in sich zusammen. Dirigent Koen Schoots animiert das Orchester zur sauberen Umsetzung der Musik, die auch Gottes (mit Don Camillo plaudernde) Stimme umgarnte. Wie auch den greisen Nonno (Ernst Dieter Suttheimer), den Lehrerin Laura (Femke Soetenga) immer wieder aus dem Jenseits zurückholte."

Ljubiša Tošić:"Don Camillo & Peppone": Dorf der gütigen Fäuste. Solides Werk in einer gediegenen Inszenierung im Wiener Ronacher. In: Der Standard, 27. Januar 2017.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Don Camillo & Peppone". Live-Mitschnitt Ronacher, Wien, 2017. (2xCD)

 

Literatur

  • Giovannino Guareschi: Don Camillo & Peppone. Roman, Übersetzung von Alfons Dalma, Reinbek: Rowohlt 1957.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Don Camillo & Peppone" [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 24. März 2022.