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Der Kongress tanzt [Wien]

Musikalische Komödie nach dem gleichnamigen Film von Erik Charell


Musik von Werner Richard Heymann
Neue Bühnenfassung von Michael Quast und Rainer Dachselt 
Original-Arrangements von Carsten Gerlitz

 

 

Inszenierung


Österreichische Erstaufführung: 20. Februar 2016
Volksoper, Wien, Österreich

  • Musikalische Leitung und Arrangements: Christian Kolonovitz
  • Regie: Robert Meyerr
  • Bühne: Eva-Maria Schwenkel
  • Kostüme: Gertrude Rindler-Schantl
  • Choreographie: Florian Hurler

 

Besetzung:  

  • Metterich: Robert Meyer
  • Pepi: Michael Havlicek
  • Christel: Anita Götz
  • Zar Alexander von Russland / Uralsky: Boris Eder
  • Bibikoff, Adjutant des Zaren: Thomas Sigwald
  • Komtesse: Ildiko Babos
  • Wellington: Wolfgang Gratschmaier
  • Talleyrand: Marco Di Sapia
  • König August von Sachsen: Axel Herrig
  • General von Piefke, Preußischer Gesandter: Bernd Birkhahn
  • Polnischer Gesandter: Franz Surada
  • Schweizer Gesandter: Gernot Kranner
  • Finanzminister: Nicolaus Hagg
  • Bürgermeister: Fritz von Friedl
  • Fürstin: Regula Rosin
  • Gräfin: Renée Schüttengruber
  • Heurigensängerin: Agnes Palmisano
  • Vollzugsbeamter: Georg Wacks
  • Ballettensemble der Wiener Staatsoper

 

 

 

 

Premierenchronik

D UA 25. Mai 2007 Theater, Baden-Baden
A EA 20. Februar 2016 Volksoper, Wien

 

 

 

 

Inhaltsangabe


"Auf dem Wiener Kongress, wo Könige, Fürsten und Diplomaten über das Schicksal Napoleons und Europas debattieren, scheint Staatskanzler Fürst Metternich alles im Griff zu haben – außer einigen Kleinigkeiten, die trotz seines exzellenten Spitzelsystems und seiner Sicherheitskräfte noch nicht so ganz funktionieren. Da ist u.a. die Handschuhmacherin Christel, die mit einem besonderen Werbegag auf ihr Geschäft aufmerksam macht: jedem gekrönten Haupt, das in Wien eintrifft, wirft sie einen Blumenstrauß mit ihrer Adresse in die offene Kutsche. Als nun der Zar von Russland kommt, zielt sie nicht richtig und trifft diesen am Kopf. Die Russen vermuten sofort ein Attentat – aber Gott sei Dank haben sie vorgesorgt: Statt des Zaren sitzt ein Double, der tumbe Bauernsohn Uralsky, in der Kutsche. Christel wird verhaftet, doch ihrem Geliebten Pepi, der der engste Mitarbeiter Metternichs ist, gelingt es, dass sich der Zar höchstpersönlich einschaltet und sie der Strafe entgeht.

Zu Pepis Leidwesen verliebt sich der Zar in Christel, führt sie zunächst zum Heurigen aus und lässt sie später in einer prachtvollen Kutsche abholen. Was Pepi immer mehr erzürnt, kommt den Plänen Metternichs äußerst entgegen: so lange der Zar mit Liebschaften beschäftigt ist, stört er seine Pläne auf dem Kongress nicht. Aber die einfältigen, in ihrem System eingefahrenen Diplomaten und Fürsten haben die Rechnung ohne den Zaren und seinen Doppelgänger gemacht, den dieser geschickt benutzt, um sich bei den ballseeligen Diplomaten gegen Metternich durchzusetzen. Christel träumt noch immer von der wahren Liebe an der Seite des russischen Fürsten, als auf dem Höhepunkt des Balls die Nachricht eintrifft, dass Napoleon aus Elba geflohen und als Usurpator in Frankreich gelandet ist. Der Zar muss nach Russland zurückkehren, Christels Traum ist zerplatzt. Rückblickend weiß sie: 'Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder'."

Inhaltsangabe Verlag Felix Bloch Erben, Berlin, 2023

 

 

 

 

Kritiken

 
"Christian Kolonovits hat für die Premiere am Samstagabend verschiedene Schlager aus dem Oeuvre des 1961 verstorbenen Heymann neu arrangiert. Er kleidet dazu die Herren des Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper in weiße Sakkos und verleiht dem musikalischen Medley vom Pult aus Big-Band-Charakter.

Es ist das Verdienst von Hausherr Robert Meyer, der als Intendant auch die Regie und die Rolle des Konferenz-Conferenciers Metternich übernommen hat, dass 'Der Kongress tanzt' nicht zur Nummernrevue verkommt, sondern eine narrative Stringenz aufweist. Schließlich orientiert man sich bei der Handlung an Erik Charells gleichnamiger Tonfilmoperette.

Auch beim Tempo bleibt man filmisch. Mittels Drehbühne bei gleichbleibendem Bühnenhintergrund gelingt es, die Figuren wie Uhrenmännchen in hoher Geschwindigkeit auf- und abtreten zu lassen, ohne Zeit mit Umbauten zu verschwenden. Thematisch belässt Meyer den Gipfelklamauk dabei weitgehend in der Zeit des Wiener Kongresses, den man etwas nach dem 200-Jahr-Jubiläum würdigt, das im Vorjahr begangen wurde.

[...] Zum Weghören ist allerdings die angesichts der vielsprachigen Kongressgesellschaft eingesetzte Dialektimitation zwischen sächsischem König, französischem Gesandten oder britischem Vertreter. Das hier ohnedies schon überschaubar authentische Niveau wird auch noch beständig unterschritten, indem die Akteure für ganze Sätze ihre Mundart vergessen.

Ansonsten bleibt die Prognose angesichts des umjubelten Abends, dass diesem Kongress noch eine lange Laufzeit im Volksopern-Spielplan beschieden sein dürfte."

APA: "Der Kongress tanzt" quietschfidel in der Volksoper. In: Salzburger Nachrichten, 21. Februar 2016.

 

 

"Anders als in der Filmvorlage wird die Bühnenfassung nicht durch gigantische Statistenheere in ein optisches Massenspektakel verwandelt, sondern es wird die Liebesgeschichte von Zar Alexander und Christel, einem Wiener Mädel, gekonnt in den Mittelpunkt gestellt. Das Ganze wird durch ein kleines Gesangs- und Tanzensemble umgeben.

Die Geschichte basiert auf den Begebenheiten des Wiener Kongresses von 1814/15, der zusammentrat, um die Welt nach Napoleons Verbannung neu zu ordnen, und abgebrochen wurde, als dieser als Usurpator zurückkehrte. Doch nicht alles entspricht der Wahrheit, sondern auch damalige Spekulationen wurden im Drehbuch von Norbert Falk und Robert Liebmann verarbeitet. Die Bühnenfassung stammt von Michael Quast und Rainer Dachselt, die für die Uraufführung in Baden-Baden 2007 das Stück behutsam modernisierten und weitere Songs des Komponisten aus seinen verschiedenen Werken einfügten.

[...] Das Stück besteht aus insgesamt 21 verschiedenen Bühnenbildern (Eva-Maria Schwenkel), die mit einer Schellackplatte durch zwei Öffnungen in der Wand gedreht werden. Dies erinnert an ein Glockenspiel oder ein Vergnügungsrad aus den 20er Jahren. Anders als nach den vorhergehenden Produktionen der Wiener Volksoper zu erwarten, fallen die einzelnen Bühnenbilder eher spärlich aus. Dies bedeutet aber keinen Abstrich an der Qualität der Ausstattung. Durch den Einsatz von Projektionen auf der großen Wand entsteht ein dreidimensionaler Effekt.

[...]  Regie führt Robert Meyer, der Intendant der Wiener Volksoper, selbst. Er arbeitet hier mit viel Humor und Überzeichnung, was in der grandiosen Umsetzung der starken Darsteller beim Publikum offenbar sehr gut ankommt."

Martina Pallinger: Es geht in erster Linie um die Liebesgeschichte. "Der Kongress tanzt" in der Wiener Volksoper. In: blickpunkt musical, Ausgabe 81, 02/2016 März - Mai 2016, Seite 44-45.

 

 

"Allzu gefordert wird das Publikum hier wirklich nicht. Doch das war auch gar nicht das Ziel von Direktor Robert Meyer, als er 'Der Kongress tanzt' in eigener Regie auf den Spielplan setzte. [...] Auch am Gürtel, wo Regisseur Meyer – er liefert als Metternich ein komödiantisches Gustostück ab – all das im Einheitsbühnenbild (Eva-Maria Schwenkel und in stilisierten Kostümen (Gertrude Rindler-Schantl) – auf der Drehbühne ablaufen lässt. Dass vor allem bei den Dialogszenen Striche nicht geschadet hätten und die aufgesetzten Dialekte der Staatsvertreter mitunter stören, steht auf einem anderen Blatt. Viele (auch aktuelle) Gags zünden gut, andere etwas weniger.

Egal, denn die musikalische Seite rückt Heymann und die gute Laune in den Mittelpunkt. Dirigent und Arrangeur Christian Kolonovits leistet am Pult des freudig und mit Verve aufspielenden (Salon-)Orchesters ganze Arbeit; vom Schlager bis zum Dudeln ist da alles vertreten und wird ideal serviert."

Peter Jarolin: Turbulenter Polit-Schwank: "Der Kongress tanzt" auch an der Wiener Volksoper und sorgt dabei für gute Unterhaltung. In: Kurier (Wien) Online, 22. Februar 2016.

 

 

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Der Kongress tanzt". Cast Volksoper Wien, 2016. Nova MD. (1xCD).

 

DVD / Video

  • "Der Kongress tanzt". Film von Erik Charell, 1931. DeLuxe-Edition, 2019. Leonine Distribution Gmbh. (1xDVD).

 

Literatur

  • Hubert Ortkemper: "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen -Der erfolgreichste Komponist der UFA-Zeit erinnert sich". Schott Musik, 2011. Buch und CD.

 

 

Kommentar

 
Da das Programmheft zur Uraufführung aktuell noch nicht vorliegt, stammen die Angaben aus den seinerzeitigen Presseveröffentlichungen. Die Angaben werden ggf. ergänzt oder geändert, wenn das Originalprogrammheft vorliegt.  

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Der Kongress tanzt [Wien]". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 24. August 2023.